Optimiertes Lastmanagement durch Digitalisierung

Aufruf für ein Cluster-Kooperationsprojekt (SKU)

Hochspannungsleitung
Halbstoffspeicher zur Energiewende © unsplash/kirklai

04.12.2023

Flexibilität und Steuerung bei der Stromnachfrage (Demand Side Management (DSM) oder Lastmanagement) wird aufgrund des volatilen Charakters von erneuerbaren Energieträgern wie Wind oder Photovoltaik immer wichtiger. Halbstoffspeicher sind eine besonders effiziente Möglichkeit, wie der Stromverbrauch gesteuert und das Netz entlastet werden kann. Der Cleantech-Cluster plant deshalb ein Kooperationsprojekt zum Thema Lastflexibilisierung inkl. Halbstoffspeicher und sucht dafür noch interessierte Unternehmen.

Durch Anpassungen bei Verbrauch sowie mit eigenen Produktionsanlagen können gerade große Industriebetriebe maßgeblich zum Funktionieren unseres Strommarktes beitragen und so unsere Versorgungssicherheit gewährleisten. Dies erfordert neben dem Abbau von regulatorischen Hemmnissen aber auch adäquate Anreize für die Industrieunternehmen.


Halbstoffspeicher – ein oft noch ungenutztes Potenzial

Um langfristig die ambitionierten österreichischen Klima- und Energieziele zu erreichen, werden herkömmliche Technologien alleine nicht ausreichen. Mit neuen Ideen müssen bekannte Systeme weiterentwickelt werden. Ein oft noch ungenutztes Potenzial liegt in der Speicherung. Mittels sogenannten Halbstoffspeichern könnten Industriebetriebe Energie besonders effizient speichern. Dafür ist ein hoher Grad an Digitalisierung notwendig.


Wie sieht das in der Praxis aus? 

In vielen Industriebereichen kann der Herstellungsprozess aufgeteilt gesehen werden: die Produktion des Halbstoffes (oder Zwischenproduktes) und die Produktion des finalen Produktes. In der Papierindustrie beispielsweise ist die Produktion des Faserstoffes sehr energieintensiv. Mit einem großen Materialspeicher wie einem Silo für das Zwischenprodukt kann das Unternehmen bei Netzüberlastung die Halbstoffproduktion anhalten, die Endproduktion aus dem Materialspeicher aber weiterbetreiben. Durch zeitliche Verschiebung kann so möglicherweise Energie aus anderen, erneuerbaren Quellen wie z.B. Photovoltaik genutzt werden. Die Produktion des Unternehmens ist in keiner Weise eingeschränkt, da die notwendige Produktionsenergie bereits im Vorfeld in Form von Halbstoff-Überschuss gespeichert wurde.


Hoher Wirkungsgrad

Mit Halbstoffspeichern kann die Produktion des Zwischenprodukts von der Endproduktfertigung entkoppelt werden. Der Materialspeichers wird bei Stromüberschuss im Netz befüllt, und abgeschaltet, wenn das Netz entlastet werden muss. So wird das Stromnetz optimal genutzt. Durch die direkte Speicherung der Energie im Halbfertigprodukt kommt es zu keinen weiteren Umwandlungsverlusten wie bei konventionellen Speichern wie Batteriespeichern, Pumpspeichern oder Wasserstoffproduktion. Die Art der Speichernutzung vermeidet Umwandlungsverluste und erhöht den Systemwirkungsgrad. Somit wird letztendlich auch Energie eingespart.


Kooperationsprojekt für Anschubfinanzierung

„Errichtung und Management des Materialspeichers sind mit Zeit und Kosten verbunden. Zudem müssen die Prozesse digitalisiert werden. Um dies für ein Unternehmen ökonomisch zu rechtfertigen, müssen Anreize gesetzt werden wie z.B. Investitionsförderungen für die Errichtung oder vergünstigte Netztarife für die Befüllung des Speichers. Grundsätzlich ist eine Gleichbehandlung mit konventionellen Speichern im Hinblick auf Netzkosten und Fördersituation notwendig, um diese wirtschaftlich und energetisch sinnvolle Art der Speicher nutzen zu können und eine Sektor Kopplung zu erreichen“, sagt Projektmanager Fabian Freund. „Wir möchten deshalb als ersten Schritt mit einem Kooperationsprojekt eine Anschubfinanzierung dafür erreichen und suchen noch interessierte Unternehmen.“


Portraitbild Fabian Freund

Fabian Matthias Freund, BA

Key Account Management

Fachbereiche: Nachhaltigkeitsmanagement (ESG), Lieferketten, Kreislaufwirtschaft, Erfahrungsaustauschrunden

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