27. qualityaustria Forum

Experten-Tipps: Wie Unternehmen glückliche Mitarbeiter bekommen und Fettnäpfchen im Internet vermeiden

qualityaustriaForum v.l.n.r. Werner Paar (CEO Quality Austria), Ingrid Brodnig (Journalistin und Autorin), Maike van den Boom (Glücksforscherin), Christoph Mondl (CEO Quality Austria)
qualityaustriaForum v.l.n.r. Werner Paar (CEO Quality Austria), Ingrid Brodnig (Journalistin und Autorin), Maike van den Boom (Glücksforscherin), Christoph Mondl (CEO Quality Austria) © Anna Rauchenberger
Christoph Mondl (CEO Quality Austria)
Christoph Mondl (CEO Quality Austria) © Anna Rauchenberger
Werner Paar (CEO Quality Austria)
Werner Paar (CEO Quality Austria) © Anna Rauchenberger
Ingrid Brodnig (Journalistin und Autorin)
Ingrid Brodnig (Journalistin und Autorin) © Anna Rauchenberger
Maike van den Boom (Glücksforscherin)
Maike van den Boom (Glücksforscherin) © Anna Rauchenberger

31.03.2022

Ein Vieraugenprinzip bei heiklen Postings, ein „Truth-Sandwich“ gegen falsche Behauptungen sowie ein skandinavisches Modell für glücklichere und produktivere Mitarbeiter: Österreichs Qualitätsmanager bekamen beim 27. qualityaustria Forum in Salzburg jede Menge Tipps von Internetexpertin Ingrid Brodnig und Glücksforscherin Maike van den Boom. Die neuen CEOs der Quality Austria – Christoph Mondl und Werner Paar – erklärten, welchen Beitrag Managementsysteme zum Gelingen des großen Ganzen leisten können.

Das qualityaustria Forum in Salzburg ist der alljährliche Fixtermin für Österreichs Qualitätsmanager. In diesem Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto „Our quality, my contribution: Digital, zirkulär, sicher“. Als Gastrednerinnen fungierten die Buchautorin und Internet-Expertin Ingrid Brodnig sowie die in Schweden lebende deutsche Glücksforscherin Maike van den Boom.


Defensiv-Rolle vermeiden

„Falschmeldungen im Internet werden für immer mehr Unternehmen zum Problem“, erklärte Brodnig. „Suchen Sie Verbündete bei Organisationen mit gleichen Interessen oder bei anderen Betroffenen und informieren Sie auch die Mitarbeiter über kursierende Gerüchte, damit diese bei Kundenanfragen richtig reagieren“, lautete eine der Empfehlungen der Expertin. Manche Falschmeldungen werden deshalb so oft geteilt, weil sie Wunschdenken oder bestehenden Vorurteilen entsprechen. „Die Vorwürfe sollten natürlich entkräftet werden. Aber Falsches sollte man nicht überbetonen, weil man dadurch in die Defensive gerät und zu viel Aufmerksamkeit darauf lenkt“, so Brodnig. Viel wichtiger sei es, mit wissenschaftlich gesicherten Fakten zu argumentieren und das Richtige zu betonen.


Strategie gegen falsche Behauptungen

„Truth-Sandwich“ lautet eine der von Brodnig empfohlenen Strategien, um gegen falsche Behauptungen vorzugehen. Der Einstieg erfolgt dabei mit der Beschreibung des tatsächlichen Sachverhalts, dann wird das Unrichtige korrigiert und beim Ausstieg wird das Eingangsargument wiederholt. „Wenn Menschen eine Aussage öfter hören, ist die Chance größer, dass sie diese für wahr halten“, so Brodnig. Falls wilde Gerüchte oder Vorwürfe auf der Facebook-Seite eines Unternehmens gepostet werden, sollte man nicht überhitzt antworten. „Wägen Sie ihre Worte gut ab, werden Sie nicht beleidigend und setzen Sie auf ein Vieraugenprinzip, indem Sie in Social Media erfahrene Personen gegenlesen lassen“, rät die Expertin. Falls man beleidigende Posts löscht, sollte man diese zuvor dokumentieren.


Entscheidungen ohne Tabus hinterfragen

Glücksforscherin Maike van den Boom hatte aus ihrer Wahlheimat Schweden zahlreiche Erfolgsrezepte für glücklichere, kreativere und produktivere Mitarbeiter mitgebracht. Statt fixer Abteilungen und klar definierter Aufgabenbereiche brauche es mehr Autonomie und Eigenverantwortlichkeit. „Je mehr Freiheit und Diversität, desto eher findet man Lösungen. In Skandinavien wird alles ständig hinterfragt, inklusive der Autorität des Vorgesetzten und der Entscheidungen, die man am Vortag gemeinsam getroffen hat“, erklärte van den Boom. Der Norden lasse sich durch Unsicherheit kaum aus der Ruhe bringen. Deutsche und Österreicher hingegen versuchen gerne alles zu kontrollieren. „Wir brauchen mehr selbstbewusste, mutige Menschen, die wissen, dass ihre Meinung zählt“, so die Expertin.


Belohnungen für Teams und nicht nur für Einzelpersonen

Aber wie holt man die Mitarbeiter am besten mit ins Boot? „Mit Liebe zu den Menschen“, so die Glücksforscherin. Man müsse die Mitarbeiter nicht nur fragen, wie es ihnen geht, sondern sich ehrlich für sie interessieren. Dazu gehören auch private Probleme, bei denen man sie nach Möglichkeit unterstützen sollte. „Wenn die eigene Katze krank ist oder ein Mitarbeiter kurz vor der Scheidung steht, hat das natürlich Auswirkungen auf die Arbeitsleistung“, erklärte van den Boom. Es sei ein ständiges Geben und Nehmen. Die Aufgabe einer Führungskraft sei es nicht, Arbeiten zuzuteilen, sondern darauf zu achten, dass jeder einzelne sein Potenzial zum Wohle des Unternehmens einsetzen kann. Belohnungen für gute Leistungen sollte es aber nicht nur für einzelne Personen geben, sondern für die Teams, damit diese sich gegenseitig anspornen.


Kontinuierliche Verbesserungsprozesse

Auf den Beitrag von Einzelpersonen zum Erfolg von Organisationen zielte auch die Argumentation von Christoph Mondl und Werner Paar ab, die im November 2021 gemeinsam die Geschäftsführung der Quality Austria übernommen haben. „Managementsysteme sind wichtig für die Weiterentwicklung von Unternehmen, um das große Ganze zu reflektieren und alle Teilbereiche einzubinden. Alle Prozesse und Abläufe müssen betrachtet werden“, erklärte Mondl. „Reflect and change your running system. Kontinuierliche Verbesserungsprozesse sind heutzutage de facto ein Muss. Einmalig ein Managementsystem zu implementieren, reicht nicht mehr aus. Man muss die eigenen Handlungen vielmehr ständig hinterfragen“, plädierte Paar. „Hier muss auch eine neue ‚Wir-Verantwortung‘ von uns allen entwickelt und getragen werden: Alle müssen dabei Verantwortung für das Gelingen des Miteinanders – im privaten, beruflichen wie auch unternehmerischen Bereich – übernehmen“, so die beiden CEOs.

Auch auf die Informationsflut nahmen Mondl und Paar Bezug. Die globale Verfügbarkeit von Information führe zu massiven Wettbewerbsveränderungen wie auch Unsicherheiten. In diesem Zusammenhang werden das Vertrauen in Marken und die Glaubwürdigkeit von Zertifikaten und Auszeichnungen in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.

www.qualityaustria.com