Wie Schweizer mit Abwasser heizen

© Getty/abadonian
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17.09.2020

Hochspannungsfelder erhöhen die Biogasausbeute und in der Schweiz wird Wärme aus Abwasser für Wohneinheiten genutzt: Mit diesen und weiteren spannenden Themen befasste sich das 4. NEFI Online Seminar am 9. September 2020. Schlussfolgerung: Der Blick über die Landesgrenzen schafft neue Perspektiven, stärkt die Zusammenarbeit und hilft, Probleme zu lösen.

„Bei Biogas-Prozessen gibt es durchaus noch Optimierungspotenzial“, ist Dr. Andreas Lüer von der Pantreon GmbH überzeugt. Er stellte ein Membranfiltrationsverfahren mit integrierter Elektrokinetik vor. Das patent- und markengeschützte ZELIX MEMBRANe.KINETICS ist ein Membranverfahren mit hoher, kontinuierlicher Leistung – selbst bei viskosen Flüssigkeiten. „Viele organische und industrielle Medien haben kolloide Eigenschaften, wie auch EPS (Extrazelluläre polymere Substanzen) im Faulschlamm von Biogasanlagen. Gerade dort kann es zu Problemen von verminderter Gasproduktion, Gastransport oder bei der Entwässerung des Gärrests kommen, die von deaktivierten EPS-Grenzflächen herrühren“, betont der Experte. Das vorgestellte Verfahren führt hier zu einer Verbesserung. Bei ZELIX MEMBRANe.KINETICS verstärkt der Aufbau von Hochspannungsfeldern mit den dynamisch rotierenden Filtermodulen als Gegenelektroden den mechanischer Trenneffekt der Membranen direkt an den Phasengrenzen durch den Einfluss der elektrischen Ladung auf die hydrophoben und kolloidalen Eigenschaften. „Das Hochleistungsverfahren ist für viele Anwendungen, wie Biogas, industrielle und kommunale Abwässer, Lebensmittel oder Papier/Zellstoff geeignet“, betonte Lüer.
 

Best Practice aus der Schweiz begeisterte

„Der Blick über die Landesgrenzen zu den Kollegen aus der Schweiz hat sich gelohnt“, zeigte sich Organisator Dorian Wessely von CTC erfreut. Dr. Elimar Frank und Beat Sommavilla aus Rapperswil-Jona in der Schweiz zeigten vor, wie mit erfolgreichen Energieverbundprojekten Wärme aus der Abwasserreinigungsanlage für Wohneinheiten bereitgestellt wird. Durch die Nutzung von Wärmequellen aus der Abwasserbehandlung zur Versorgung öffentlicher und privater Gebäude werden so jährlich 3.600 Tonnen CO2 eingespart.

Umsetzung versus Forschung

Anhand von nationalen und europäischen Verbundprojekten zum Thema “Kläranlagen der Zukunft“ zeigte Dr. Christian Loderer von STEINBACHER + STEINBACHER ZT GMBH auf, welche Strukturen innerhalb solcher Projekte notwendig sind, um Technologien von der Forschung in die Praxis zu überführen und marktreif zu machen. Mag.a Juliane Rieger von Business Upper Austria ergänzte das Programm mit einem Überblick, welche F&E-Förderprogramme für KMU in Oberösterreich zur Verfügung stehen. „Zusammenfassend zeigte sich, dass Multi- und Interdisziplinarität ein wichtiger Bestandteil von zukunftsweisenden, erfolgreichen Projekten ist. Nur so werden wir der Komplexität der Herausforderungen gerecht und finden adäquate, standortgerechte und effiziente Lösungen – die auch Bestand haben“, fühlt sich Wessely Dorian am Weg, der mit der Zusammenarbeit in NEFI sowie in den Kooperationsprojekten im Cleantech-Cluster beschritten wird, bestätigt.

Organisiert werden die Seminare vom Cleantech-Cluster der oö. Standortagentur Business Upper Austria, der AEE INTEC und dem Lehrstuhl für Energieverbundtechnik der Montanuniversität Leoben.
 

NEFI – New Energy for Industry

Die Vorzeigeregion NEFI – New Energy for Industry, gefördert vom Klima- und Energiefonds, ist ein Schlüsselvorhaben für die Dekarbonisierung der produzierenden und energieintensiven Industrie in Österreich. NEFI hat sich zum Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen der heimischen Industrie deutlich zu reduzieren, bis zu 100 Prozent erneuerbare Energien einzusetzen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

www.nefi.at