Am Pfand führt kein Weg vorbei

Treffpunkt Kunststoff-Recycling 2.0 am 2. Juli 2020

© pixabay
© pixabay

08.07.2020

Viele Getränkehersteller, Verpackungsproduzenten und Händler sind verunsichert und wollen Klarheit zum Thema Pfand. Obwohl es durchaus kritische Stimmen aus Handel und Abfallwirtschaft zu einer Einführung eines Pfands auf Einweg-Getränkeverpackungen gibt, sprachen sich die 65 Teilnehmer/-innen aus der Kunststoff-Recyclingbranche bei dem virtuellen Austausch mehrheitlich für eine Einführung aus. Organisiert wurde das Treffen am 2. Juli von Kunststoff- und Cleantech-Cluster.

Auch Andreas Witschnigg von der Kruschitz Plastic Recycling GmbH, eines der führenden Unternehmen Europas im Bereich Kunststoff-Recycling, plädiert für ein Pfandsystem für PET-Flaschen. „Nur so lassen sich notwendige Qualitäten, Mengen und Recyclingquoten erreichen“, ist er überzeugt. Christian Abl von der Reclay Österreich GmbH spricht sich ebenfalls klar für ein Pfandsystem aus: „Pfand verbessert die Materialqualität und vergrößert den hochwertigen Materialstrom.“ Zudem seien die bestehenden Sortierkapazitäten in Österreich ausgeschöpft und würden bei gleichbleibender Sammlung in der Zukunft massiv überschritten werden. Die Einführung eines Pfands würde die Kapazitäten entlasten, da die PET-Flaschen aus dem Sortierstrom eliminiert werden. Dies schafft Möglichkeiten, auch andere Verpackungen in Zukunft so zu sortieren, dass sie wieder in den Kreislauf geführt werden können.

Rezyklat punktet bei Ökologie

Neben dem Thema „Pfand“ standen aktuelle Herausforderungen der Branche im Zentrum der Vorträge und Diskussionen. „Nur 25 % aller PET-Anwendungen stellen Flaschen dar, diese sind aber die einzige Ressource für hochwertige Rezyklate. Denn 99,9 % der Kunststoff-Getränkeflaschen sind aus PET, bei anderen Anwendungen wie beispielsweise Trays sind neben PET komplexe Materialien im Umlauf, quasi ein buntes Gemisch, das bei thermischer Belastung gelb und braun wird. Die Nachfrage nach dem PET-Flaschenstrom ist deshalb sehr groß“, sagt Christian Strasser von der PET2PET GmbH. „Die Herstellung von PET-Rezyklat verursacht nur ca. 20 % der CO2-Emmissionen und 25 % der Energie im Vergleich zu PET-Neuware“, ist Strasser von den ökologischen Vorteilen der Rezyklate überzeugt.

Umdenken bei Verarbeitern notwendig

Ein weiteres Problem, das ein generelles Umdenken erfordert, ist die große Nachfrage nach möglichst hellem Material – meist zusätzlich mit einer sehr engen Spezifikation. Erst wenn auch dunklere, trübere Farben der Rezyklate bei den Verarbeitern akzeptiert werden, wird die Verfügbarkeit von entsprechendem Recyclingmaterial steigen. Andreas Witschnigg rechnete dies deutlich an einem Beispiel vor: Aus einem gemischten Ballen PP-Verpackungsabfall lassen sich rund 13 bis 15 % Naturmaterial heraussortieren. Der Kunde färbt dieses Material dann wieder ein, so wie er es bei Neuware gewohnt ist, anstatt dunklere Fraktionen dafür einzusetzen. Im Endeffekt wird dann vielleicht nur 1 % wieder als Naturmaterial eingesetzt.